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Die ErP-Richtlinie und was man dazu wissen sollte!

Fragen und Antworten zu Verordnung 640/2009 (IEC-Motoren) und 327/2011 (Ventilatoren)

Mit der Verabschiedung des Kyoto-Protokolls hat sich die Europäische Union dazu verpflichtet, die CO2-Emission bis 2020 um mindestens 20 Prozent zu reduzieren. Um dieses Klimaziel zu erreichen, verabschiedete die EU 2005 die EuP-Richtlinie (Energy using Products-Directive). Diese wurde 2009 in ErP-Richtlinie (Energy related Products-Directive) umbenannt. Oft wird auch einfach von der Ökodesign-Richtlinie gesprochen. Konkret geht es um die Richtlinie 2009/125/EG. Im Alltag begegnet uns diese z. B. in der Abschaffung der Glühbirne oder den Energieeffizienz-Labeln auf Kühlschränken, Waschmaschinen und Co.

Inwiefern betrifft dies auch Produkte der Lüftungs- und Klimatechnik?

Mit Hilfe der ErP-Richtlinie werden Einsparpotentiale zahlreicher energierelevanter Produkte untersucht und Mindestanforderungen hinsichtlich deren Energieeffizienz festgeschrieben. Im Juni 2010 wurden schließlich verbindliche Grenzwerte für Ventilatoren festgelegt. Als Ventilator definiert die Richtlinie die Einheit aus Düse, Laufrad und Motor sowie eine ggf. vorhandene Regelungselektronik. Ziel ist es, in Europa auf den Markt gebrachte Produkte mit einer allgemeinen Mindesteffizienzvorgabe für Ventilatoren zu kategorisieren. Am 01.01.2013 trat die erste Stufe der Mindesteffizienzvorgaben für Ventilatoren in Kraft.

Erhöhte Anforderungen ab dem 01.01.2015?

Ab dem 01.01.2015 tritt die zweite Stufe der Verordnung 327/2011 in Kraft. Hier wurden im Vergleich zu den Grenzwerten von 2013 die Mindesteffizienzvorgaben nochmals erhöht. Somit dürfen betroffene Produkte, die den Mindesteffizienzvorgaben nicht entsprechen, ab dem 01.01.2015 nicht mehr auf den europäischen Markt gebracht werden.

Definition „Auf den Markt bringen“

Durch hohe Vorlaufzeiten und Lagerbestände werden es die Hersteller von Ventilatoren nicht schaffen, alle Lagerbestände zum Stichtag aufzuarbeiten. Die rechtliche Definition besagt, dass das motorisierte Laufrad, wenn es das Herstellwerk verlässt, bereits auf den Markt gebracht ist. Das heißt für die Hersteller von Komplettventilatoren (z. B. Dach- oder Kanalventilatoren) wie Systemair, dass die Motor-Laufrad-Einheiten noch über den Stichtag hinaus in den Endprodukten eingesetzt werden dürfen. Bis diese Bestände abverkauft sind, gibt es also eine Übergangszeit.

Welche Ventilatoren sind betroffen?

Ventilatoren aller Bauformen von 0,125 kW bis 500 kW elektrischer Eingangsleistung sind von der Richtlinie betroffen. Für Hersteller wie Systemair hat dies zur Folge, dass einige Baugrößen mit betroffenen Motor-Laufrad-Einheiten verändert und angepasst werden müssen. Systemair wird Ihnen auch in Zukunft in den verschiedenen Ausführungen komplette Baureihen anbieten können. Ventilatoren, die heute schon mit EC-Motoren ausgerüstet sind, entsprechen bereits den Vorgaben.

Welche Ventilatoren sind nicht betroffen?

Ventilatoren, die Schutzziele verfolgen und außerhalb bestimmter Temperaturbereiche liegen, sind nicht betroffen. Dazu zählen:

  • Einstufige Entrauchungsventilatoren, sofern diese nicht zur täglichen Bedarfslüftung eingesetzt werden
  • Explosionsgeschütze Ventilatoren
  • Ventilatoren zur Absaugung aggressiver Medien
  • Ventilatoren für Fördermitteltemperaturen ab 100°C
  • Ventilatoren für Umgebungstemperaturen ab 65°C

Viele Hersteller werden im Zuge der Richtlinieneinführung auch diese Motoren ohne Gesetzesvorgabe verbessern.

Es gibt auch noch eine Verordnung für Motoren („Motorenrichtlinie“) - worin liegt der Unterschied?

Bereits 2011 trat die ErP-Durchführungsverordnung Nr. 640/2011/EG in Kraft, die den Wirkungsgrad von Elektromotoren, genauer IEC-Normmotoren, vorschreibt. Diese Verordnung bezieht sich lediglich auf den Motor. Seit 16.06.2011 dürfen nur noch Asynchronmotoren, die mindestens der Effizienzklasse IE2 (International Efficiency) entsprechen, im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) in den Verkehr gebracht werden. Zum 01.01.2015 tritt auch hier die nächste Stufe in Kraft. Bei der ErP-Durchführungsverordnung (EU) Nr. 327/2011 liegt der Unterschied darin, dass der Wirkungsgrad des kompletten betriebsfertigen Systems „Ventilator“, bestehend aus Regelungselektronik (falls vorhanden), Motor und Laufrad einschließlich Düse, betrachtet wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Ventilator als Einzelgerät eingesetzt oder als Komponente in einer Anlage betrieben wird.

Für IEC-Normmotoren gilt:

  • Ab 16. Juni 2011: Klasse IE2 für Motorleistungen ≥ 0,75 kW.
  • Ab 1. Januar 2015: Klasse IE3 oder IE2+FU für Motorleistungen von 7,5 bis 375 kW.
  • Ab 1. Januar 2017: Klasse IE3 oder IE2+FU für Motorleistungen von 0,75 bis 375 kW.

Wen betrifft die Richtlinie?

Die Richtlinie ist verbindlich in den Staaten der EU. Von dieser Regelung sind sowohl Hersteller von Lüftungs- und Klimaprodukten als auch Anlagenbauer und Anlagenbetreiber betroffen. Die ErP-Verordnung umfasst Produkte, die im EWR produziert werden, ebenso wie Importe aus Drittländern. Produkte für den Export außerhalb der EU fallen nicht unter die Verordnung, es ist jedoch absehbar, dass sich auch weitere Länder mit der Thematik befassen werden.

Alle Anforderungen der Ökodesignrichtlinie im Überblick.

Für Verwirrung sorgt oft, dass zwei voneinander unabhängige Verordnungen parallel erfüllt werden müssen. Die folgende Tabelle stellt dies vereinfacht dar:

Ökodesignrichtlinie („ErP-Richtlinie“) 2009/125/EG

 

IEC-Motoren
Verordnung 640/2009

Ventilatoren
Betrachtung Düse +
Laufrad + Motor + ggf. Regelungselektronik
Verordnung 327/2011

Lüftungsgeräte
ab 01.01 2016
Verordnung 1253/2014
Verordnung 1254/2014

2017

IEC-Motoren
0,75 - 375 kW
Effizienzklasse:
IE3 oder IE2 + FU *

   

2016

   

Mindestanforderungen
an Lüftungsgeräte,
Geräte für Wohnungs-lüftung mit Energielabel

2015

IEC-Motoren
7,5 - 375 kW
Effizienzklasse:
IE3 oder IE2 + FU *

Ventilatoren
≥ 125 W
Mindesteffizienz
2. Stufe **

 

2013

 

Ventilatoren
≥ 125 W
Mindesteffizienz
1. Stufe **

 

2011

IEC-Motoren
≥ 0,75 kW
Effizienzklasse: IE2

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


* FU = Frequenzumformer
** Berechnung erfolgt gemäß einer definierten Formel

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